Prospekte

Prospekte_1932_0006_B170

5,00

This document is only available as a downloadable product.

The actual downloadable product will be in higher resolution.

JHufS&ndajtfi
Berlin
Bordeaux
ayonne
Borgos
5000 bn
in 15 Fahrlag en mit der 170ccm
Zündapp-Zugvogel
Ein kalter Morgen nebelte grau und feucht auf dem Spiegelasphalt von Berlin, als ich am 15. Januar meine kleine 170 ccm Maschine bestieg. Süden heifjt die Losung, Afrika! Ob der zierliche „Zugvogel” mich sicher dorthin und zurück tragen wird? 200 kg beträgt die tote Last, die ein Motor vom Inhalt eines Wasserglases fortschleppen soll.
— Er schaffte es, er hat es besser geschafft, als ich dachte.
Schon versinkt Potsdam. Da, im Graben ein Wagen. Vereiste Strafe mahnt zur Vorsicht; aber vor Michendorf begegnen mir zwei Schornsteinfeger (was so ein bischen Aberglauben vermag)
— und die Polizeinummer I A 33333 ist auch kein schlechter Talisman. Wittenberg-Bitterfeld. Ein kalter Gegenwind macht die alte Frage wieder aktuell: „Soll man im Winter Motorrad fahren?” Ich sage „Ja”, troi} alledem.
Nach Eisenach die erste größere Steigung; die Maschine nimmt sie einwandfrei im großen Gang
— und damit bin ich über alles Weitere beruhigt. Bis Fulda mul} ich noch im Dunkeln fahren, aber meine Lichtanlage ist mir hier Freund in der Nacht Am anderen Morgen über Frankfurt, Kaiserslautern an die Grenze. „Wohin?” — „Afrika”. Die Nummer IA 33333 steigt in der Achtung der hohen Grenzpolizei. Ein Tritt auf den Starter und ich bin im schönen, deutschen Saargebiet. Sonne lacht vom heiteren Himmel. Schon bin ich mitten in der ehemaligen Kriegszone. Met}, Verdun, Chälons. Und dann kommt Paris. Sprühregen fällt, Lichter und Linien zerfliegen in der Dämmerung.
Tags darauf über Tours und Bordeaux nach Bayonne. Eine herrliche Strafje macht das Reisen leicht, Breit ist sie, wunderbar gepflegt und übersichtlich — eine lange grolle Avus. Bayonne ist der letjte Aufenthalt auf französischem Boden. Morgens geht’s über die spanische Grenze. Das Zollbüro ist auf, aber die Wechselstube bleibt bis 1/210 Uhr geschlossen. Man hat Zeit in Spanien. Glückliches Spanien! Augenblicklich nur etwas belebt wegen der Revolution. Ueberall Militär mit umgehängtem Karabiner. Ueberall Kontrollen, Pafjkontrollen, Geldkontrollen — trotjdem, man lälyt mich überall ungehindert passieren. Das Pa- ironato Nacional de! Turismo, eine Reisebera- tungsstelle in allen Sprachen, hilft außerdem mit höflicher Bereitwilligkeit. Man rät mir allerdings dringend zur Umkehr. Aber ich will ja nach dem Süden und der Süden soll ruhiger sein. San Sebastian taucht auf. Nebenan in Bilbao hat es Tote gegeben. Aber von meinem Ziel „Afrika” hält mich nichts ab. Langsam steigt die Strafe auf ca. 1000 m Höhe. Steine, unfruchtbarer Boden rechts und links, verwahrloste Felder. Man sieht die Unlust am Bestellen der Felder. Dann kommt Burgos mit seiner wunderbaren Kathedrale, ein filigranes Steingedicht. Im Hotel „Muttersprache, Mutterlaut”, ein deutscher Portier, ausgerechnet aus Karlshorst bei Berlin. „Und wenn Ihnen die Mühle sauer wird, was dann?” Ja, daran habe ich noch garnicht gedacht, so uhrwerksmäfjig ist mein „Zugvogel” mit mir hierher geflogen. Wie Phantome kommen mit offenem Auspuff rasende Ungetüme, die Exprefj-Autobusse Madrid-San Sebastian aus dem Nebel und verschwinden. Bauern treiben vollbepackte kleine Esel vor sich her, so vollbepackt, wie meine kleine Zündapp.
Höher windet sich die Strafe, auf einmal — Schnee! Passo del Somossiera 1450 m. Unter mir der sonnige Süden, so sonnig, so südlich, wie man ihn sich von Postkarten her vorstellt, wenn man ihn noch nicht gesehen hat und glauben mul3, dafj es so etwas gibt. Dann taucht eine Stadt auf mit riesenhaft erscheinenden Häusern — Madrid.
15 Stockwerke und Wolkenkratzer in dem sonst so niedrig bauenden Spanien. Sie wirken hier fremd, grotesk. Am Paseo del Prado höre ich beim Kaffee, dafz augenblicklich drei Revolutionen im vollen Gange sind: Biibao, Barcelona, Granada. Wenn diese Reise nur nicht zu interessant wird! Am nächsten Tag Aranjuez, Cordoba, immer südlicher wird die Landschaft, schon schließen sich vereinzelte Olivenbäume zu ganzen Hainen. In Sevilla kaufe ich Apfelsinen direkt ab Werk, d, h. vom Baum. 5 Centavos das Stück, I1 2 Pfg. Cadiz, der südlichste Hafen Spaniens wird erreicht. Steil fällt die Strafe zum Meer ab, um mich von jetzt ab der Küste entlang bei frischem kräftigendem Seewind über Cap Tarifa nach Algeciras zu führen. Hier brauche ich zur Ueberfahrt zum schwarzen Erdteil ein besonderes Tryptik, denn Spanisch- Marokko ist unter eigener Verwaltung. Rasche Ueberfahrt bringt mich nach Ceuta und jetzt fliege ich dem Wendepunkt meiner Reise zu: Tetuan. Im Araberviertel romantische dunkle Gestalten, schreiende Kinder, backschisch-heischend, verwahrlost. Ihre Wohnungen sind Löcher, Höhlen, niedrig und unsauber — aber aufs Wohnen gibt man dort nicht viel.
Jetzt gehts zurück über Ceuta nach Algeciras. Da die Unruhen immer mehr zunehmen, umschiffe ich Spanien bis nach Barcelona, wo ich den deutschen Boxer Noack treffe. Wie klein die Welt ist! Heimwärts gehts mir wie den Pferden, die dem Stall zueilen, da gehts viel rascher. Schon bin ich an der französischen Grenze; Perpignan, Montpellier, Avignon, die Stadt der Päpste, wo mich der Moto- cycle Club d’Avignon begeistert aufnimmt. Und dann der klimatische Trennungsstrich zwischen warmem Süden und kaltem Norden: Lyon. Durchs Festungsgebiet gehts weiter über Besancon, Colmar nach Strafzburg. Jetjt fange ich an, unter der Kälte zu leiden, denn das warme Klima des Südens hat mich verwöhnt. Freudenstadt—Ulm — dann München. Am nächsten Tage gedachte ich den Abschlufz meiner Fahrt nach Garmisch- Partenkirchen in 2 Stunden erledigen zu können,
UtaSKWffiWffil
I SurM0SK24M ;
I SR SUIS !-?*-< | STSH6ER f."! SUWW'ä aber ich hatte die Rechnung ohne das Wetter gemacht. Vereiste Strafen und ein Reifenschaden hielten mich den ganzen Vormittag auf. Mein Schicksal teilten auch die an diesem Tage an- kommenden Europafahrer, auf die, infolge der Glätte, die Straßengräben eine besondere Anziehungskraft ausübten. Als ich an der Zielkontrolle eintraf, großes Erstaunen über die Leistung. Auf 170 ccm 5000 km in 15 Fahrtagen — das ist auch eine Leistung. W i e groß sie aber wirklich war, wie lang oft der Weg wurde, wie fern oft das Ziel schien, das wissen nur wir beide ganz allein, mein Zündapp-Zugvogel — und ich. Und die Maschine: allen Zweiflern zum Troß, allen Vorhaltungen zu Hause, daß ich Unmögliches von der Maschine verlange, habe ich die Fahrt unternommen, gestüßt auf mein Vertrauen zum Fabrikat und auf meine Langstreckenpraxis. Ich behielt recht. Der kleine „Zugvogel" hat sich bewährt und sich die Anerkennung des In- und Auslandes erworben. 5000 km in 15 Tagen, das sagt mehr als alles andere. Daß ich oft 14—15 Stunden ununterbrochen im Sattel sißen konnte, ohne zu ermüden, zeugt von der ausgezeichneten Position, der weichen Federung und der richtigen Dimensionierung der Reifen. Die Lichtquelle ist ausreichend auch bei geringem Tempo, bei einer normalen Stundengeschwindigkeit von 50 Std'km ist das Licht klar und weiß, sodaß es entgegenkommende Fahrzeuge zum Abblenden zwingt. Aeußerst vorteilhaft ist das Abblenden durch Neigen des Scheinwerfers, das erlaubt, die Lichtstärke beizubehalten. Die Bremsen sind gut und waren mir besonders bei Ueberquerung der Pyrenäen ein willkommener Vorteil. Alles in Allem, die Zündapp „Zugvogel" B 170 ist kein Hilfsfahrzeug schlechterdings; es stellt einen ausgereiften Sondertyp dar, der einer weiten Käuferschicht noch viel Freude am Motorradwandern bringen wird, aller Not und Krise zum Troß. Jul. v. Krohn. Z.'CQNiS. Modell Zugvogel 170 ccm Zweitakt-Blockmotor • Einhebel-Hochleistungsvergaser mit Turbo-Luftfilter • Zündapp-Schwungrad- Magnet • Gemisch-Schmierung • Zweigang-Kickstarter- Getriebe mit Zwei-Scheiben-Trockenkupplung und Tank- schaltung • Tiefbettfelgen mit Ballon-Cord-Reifen 25x2,75" • Gro^e Innenbacken-Naben-Bremsen in Vorder- und Hinterrad • Verstellbare Fufjrasten ® Großer Elastik- Federsattel • Ausrüstung: elektr. Lichtanlage mit Abblend- vorrichtung, Rückstrahler, Ballhupe, gutes Werkzeug, Luftpumpe und Nummernschild • Verbrauch: 21/'2 Liter Gemisch auf 100 km • Preis RM 450.-— ab Werk

Additional information

Type

Brochures

Year

Model

B170