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von
ZUNDAPP
Ges. für den Bau
Rundschreiben Nr. 317
NÜRNBERG
Specialmaschinen m. b. H.
Nürnberg, den 20. Juli 1934
Unsere Zündapp-Motorräder — insbesondere die Type Kardan 500 ccm — finden seit geraumer Zeit auch bei den Reichsbehörden immer mehr und mehr Eingang.
So sind uns neuerdings größere Bestellungen zugegangen, die hauptsächlich deshalb für uns und unsere Mitarbeiter hoch erfreulich sind, weil damit erneut auch von offizieller Stelle die unbedingte Zuverlässigkeit und die hohe Qualität unserer Maschinen bestätigt ist.
Außerdem möchten wir heute nochmals auf den überwältigenden Erfolg hinweisen, den der Kraft- fahrlehr- und Versuchsstab Elsgrund-Döberitz gelegentlich der
„Brandenburgischen Geländefahrt“ am 10. Juni 1934
mit 3 Zündapp-Motorrädern Kardan 500 insofern erzielt hat, als es dort der Reichswehrmannschaft als einziges von 71 gestarteten Teams gelungen ist, strafpunktfrei abzuschneiden.
Aus diesen offiziellen Bestätigungen der Zündapp-Qualität werden zweifellos auch Sie in dem bevorstehenden Herbstgeschäft in unseren Maschinen bei richtiger Verwertung Nutzen ziehen können.
Weitere schöne Erfolge haben unsere Maschinen auch bei der
„Westmark-Zuverlässigkeitsfahrt“ am 24. Juni 1934
und bei der
„650 km-Grenzlandfahrt durch den Schwarzwald“
am 8. Juli 1934
nach Hause gebracht.
Bei der „Westmark-Zuverlässigkeitsfahrt“ haben nur 14 von 52 gestarteten Motorrädern das Ziel erreicht, darunter 5 „Zündapp“ mit dem Ergebnis, daß die hervorragende Leistung der Fahrer und deren Maschinen durch die Verleihung von
1 Goldenen Plakette
2 Silbernen Plaketten 1 Silbernen Pokal
1 Bronzenen Plakette 1 Sonderpreis für gleichmäßigste Fahrzeit
vom Veranstalter anerkannt worden ist.
Bei der „Grenzlandfahrt durch den Schwarzwald“ erzielte eine Zündapp Kardan 8ÖÖ mit Beiwagen einen Vorsprung von fast 2 Stunden und wurde dafür
1. mit der Goldenen Medaille
2. mit einem Ehrenpreis
3. mit einer Urkunde mit dem goldenen Siegel der Stadt Karlsruhe
ausgezeichnet.
Sehr erfolgreich verlief ferner ein
Training zwischen Hamburg und Berlin für die 2000 km-Fahrt
das drei Hamburger Fahrer am 25. Juni 1934 unternahmen. 2 Maschinen Kardan 800 durchfuhren die Sfrecke Hamburg—Berlin hin und zurück innerhalb 24 Stunden dreimal und erzielten dabei trotz Regen und dichtem Nebel bei nicht abgesperrter Straße einen
Stundendurchschnitt von 70,8 km.
Die Maschinen mußten auf freien Strecken 120—130 km Geschwindigkeit hergeben, ohne daß sie dabei das geringste Zeichen einer Überanstrengung zeigten. An dieser Fahrt beteiligte sich auch eine Kardan 200, die die Sfrecke Hamburg —Berlin hin und zurück zweimal durchfuhr und dabei einen Stundendurchschnitt von 55 km erzielte.
Wir fügen einen Schaufensteraushang über diese Veranstaltung bei und bitten Sie, diesen an gut sichtbarer Stelle Ihrer Verkaufsräume aufzuhängen bezw. bei Bedarf weitere Exemplare anzufordern.
Schließlich senden wir Ihnen anliegend noch einen Sonderdruck aus „Motor und Sport“, der ein 800 ccm Zündapp-Kardan-Gespann betrifft und ebenfalls als Werbemittel für die Zündapp-Mehr- zylinder-Kardan-Maschinen hervorragend geeignet ist. Auch hiervon stehen Ihnen bei Bedarf weitere Abzüge zur Verfügung.
Wenn Sie auch diese Anregungen bei der Kundenwerbung verwerten, dann werden Sie damit dem Zündapp-Geschäft zweifellos abermals einen neuen spürbaren Auftrieb geben.
Wir wünschen Ihnen jedenfalls recht gute weitere Erfolge und begrüßen Sie mit
Heil Hitler I
Zündapp
Ges. für den Bau von Specialmaschinen m. b. H,
1 Schaufensferaushang 1 Sonderdruck
Sonderabdruck aus der Zeitschrift „MOTOR und SPORT“, Pössneck, Heft 22 vom 3. Juni 1934
Prüfungsbericht:
138
215
**52!?*
Spor*
Leistungsgew. solo 9 kg/PS Preis solo …. 1550.- RM.
N. Nr. 115
800-ccm-Zündapp-Kardan-
Gespann
In der Vordergabel ist ein Oeldruck-Stoßdämpfer eingebaut
Schnitt durch die klare Vierzylinder-Motorkonstruktion
Ein langer Weg mühsamer Entwicklung führt vom ersten Zündapp-Moior- rad bis zu den heutigen Kardanmodellen. Im Oktober 1921 wurde die erste Maschine mit 211-ccm-Zweitaktmolor fertiggestellt. Die Konstruktion ist noch heule interessant und überzeugend durch die Klarheit und Einfachheit des Aufbaus. Wenige Jahre später waren schon zehntausend Motorräder in den Zünd- appWerken gebaut. Immer noch finden wir die gleiche Tendenz. Nur daß die Motoren etwas größer geworden waren und ein Dreiganggetriebe für beste Anpassungsfähigkeit auch beim Soziusbetrieb
sorgte. 1927 wurde das Zündapp- Einheitsmodell in der Serie gebaut. Man glaubte damals, durch diese Vereinheitlichung am besten zum Erfolg zu kommen. Ein einziges Modell sollte in der Großserie gebaut werden, ähnlich wie das ja im amerikanischen Autobau seit langem geschah.
1933 verließ die hunderttausendste Zündapp-Maschine eine der modernsten Motorradfabriken der Welt, das neu errichtete Werk in Schweinau bei Nürnberg. Es ist kein Einheitsmodell mehr, sondern eine der neuen Kardanmaschinen aus dem umfangreichen Programm der Zündapp-Werke. Inzwischen hatte man hier wie überall im Motorradbau erkannt, daß die Wünsche der Käufer zu verschieden sind. Ein einigermaßen gleichbleibender Verkauf und damit eine wirtschaftliche Ausnutzung des Produk- lionsapparates ist nur möglich, wenn mehrere Modelle gebaut werden. Dabei muß allerdings mit allen Mitteln versucht werden, durch Vereinheitlichung einzelner Bauelemente zu ausreichenden Stückzahlen zu kommen. So wird z. B. bei allen Kardanmodellen der Zündapp-
Werke von 200 bis 800 ccm immer der gleiche, leichte und doch stabile Stahlblechrahmen verwendet.
Es gehörte schon Mut dazu, auf der Automobil- und Motorrad-Ausstellung 1933 mit einem Male gleich fünf neue Kardanmodelle auf den Markt zu bringen. Alle waren so überzeugend klar, so ästhetisch durchkonstruiert, daß Fach- und Laienkreise sofort begeistert waren. Gerade die Zündapp 800 zeigt, wie gut ein Kraftrad nach dem „deutschen Stil“ aussehen kann, sie zeigt, daß eine völlige Kapselung und doch gute Zugänglichkeit aller Teile zu erreichen ist. Bei den Zündapp-Rädern sind ja nicht nur die Ventile, sondern auch alle Zubehörteile, wie Vergaser, Luftfilter, Zündspule, Zündlichtmaschine usw. einheitlich in den Moiorkörper einbezogen. Es stehen also nicht mehr die einzelnen Teile nebeneinander.
Trotzdem der Wurf zum mindesten formal von Anfang an durch die sichere Hand des Chefkonstrukteurs Küchen gelungen war, erforderte gerade die 800- ccm-Maschine eine Ausreifung. Kühl- und Schmierschwierigkeiten waren zu
Seitenansicht der SOO-ccm-Zündapp-Kardan
Mit dem Gespann unterwegs
Die Versuche mit der 800-ccm-Zündapp waren mit einigen Schwierigkeiten ver- bunden. Der tüchtige Betriebsleiter Zipprich der Zündapp-Werke wollte dem Tester beweisen, daß jede Maschine gut ist, und gab deshalb zur Prüfung ein Rad, das gerade das Band verlassen hatte. Solche Maschine kann bei bester Fabrikation in der ersten Zeit weder schnell, lebendig, noch wirtschaftlich sein. Deshalb wurde danach noch eine eingefahrene Maschine mit einem Versuchsvergaser untersucht. Erst hier zeigte es sich, was dieser ausgeglichene, ruhige Vierzylindermotor leistet, was für Durchschnitte gerade mit solchem Gespann zu erreichen sind. Die Angaben des sehr peinlich arbeitenden Dr. Popp, des Leiters der Versuchsabteilung, sollen hier ergänzend gebracht werden: Verbrauch, solo 6,2 bis 7,2 Liter, Höchstgeschwindigkeit 118 km/Sld. Verbrauch mit Seitenwagen im Mittel 7,2 Liter, Höchstgeschwindigkeit 95 km/Std. und mehr.
Die 800-ccm-Zündapp fährt sich besonders leicht, weil bei der Geschmeidigkeit des Motors überhaupt nur die Betätigung des Drehgases erforderlich ist. – Die Kugelschaltung stellt auch in der neuen Form noch nicht das Ideal dar, weil man immer beim Schalten das Bein vom Tank nehmen muß. Außerdem müßte der Fußbremshebel etwas tiefer und weiter vor (direkt hinter der Fußraste) angebracht werden. Im übrigen ist die Sitzposition gut. Die Maschine ist nach ganz kurzer Gewöhnung sehr sicher zu fahren. J- F-
Fahrwind. Die ausreichende Kühlung auch der hinteren Zylinder ist dadurch erreicht, daß die Ventilkammern (mit eigenen Kühlrippen) völlig getrennt wurden. Der Fahrwind bläst um Zylinder und diese Kammern, er bläst aber auch zwischendurch, so daß unbedingt eine Ueberhitzung oder Wärmestauung verhindert wird. Außerdem wird die Luftkühlung durch die wirkungsvolle Schmierung noch ergänzt. Die Oelwanne hat jetzt einen Inhalt von 3 Liter. Auf Einzelheiten braucht nicht weiter eingegangen zu werden, da die Zündapp- Maschinen zur Genüge bekannt sind.
Der Motor liegt in der Längsachse des Rades. Da der Wellenantrieb einseitig neben dem Hinterrad angeordnet werden muß, ist irgendwie eine Ueberbrückung dieses Zwischenraumes erforderlich. Zwischenräder wären teuer. Deshalb kamen die Zündapp-Leute auf den Gedanken, das Kettengetriebe in den Motorradbau zu übernehmen. Die kurzen Zwischenkelten in den einzelnen Getriebe- Übersetzungen sorgen für Weichheit des Antriebes, sie arbeiten geräuschlos und im Oelbad verschleißfest. Das Kettengetriebe in dieser Form hat sich wirklich bewährt.
Alle Kardanmaschinen haben Stahlblechrahmen und Stahlblechgabel. Zum ersten Male im Motorradbau wird hier serienmäßig kein Plattendämpfer, sondern wie im Aulobau ein Oeldruck- dämpfer eingebaut. Eine kurze Fahrt im Gelände, über welligen Boden und durch Löcher zeigt, wie gut dadurch die Federung arbeitet, wie schnell sie wieder zur Ruhe kommt.
überwinden. Das letzte Jahr ist wirklich ausgenutzt worden. Die 800-ccm-Vier- zylindermaschine steht jetzt als fertiges Modell vor Ihnen. Man weiß nur noch nicht genau, ob sie in Zukunft einen Motorrad- oder einen Wagenvergaser bekommen soll. Der 800-ccm-Motor ist in dieser Beziehung schon ein Grenzfall. Beide Vergaseriypen haben ihre Vorzüge, und die Wirtschaftlichkeit wird schließlich entscheiden.
Sie werden vielleicht der Ansicht sein, daß eine so große komfortable Vier- zylindermaschine eigentlich kaum eine Berechtigung hat. Der Preis eines 800- ccm-Gespannes entspricht bereits dem eines Kleinstwagens. Dafür dürfen wir aber nicht vergessen, daß solche Maschi- schine solo Geschwindigkeiten erreicht, an die der Kleinst- und auch der Kleinwagen niemals herankommen kann. Deshalb wird es für manchen Sportsmann niemals die Frage „Kleinstauto oder Motorrad“ geben, da er sich einen rassigen schnellen Sportwagen nicht leisten kann, gibt er dem zwar nicht so bequemen aber ebenso schnellen großen Motorrad oder großen Gespann den Vorzug.
Der Vierzylindermotor hat, wie wir das am besten in der Abbildung sehen, gegenüberliegende Zylinder. Das bedeutet: Niedrige Motorenbauart und damit hohe Bodenfreiheit bei niedrigem Schwerpunkt. Die Zylinder liegen im
Zilndapp-Reisegespann
HNISCHE DATEN
Die neue Abdeckung des Auspuffrohrs
Ein geräumiges Gespann
Motortyp: Vierzylinder, Ventilanordnung: stehend, Inhalt: 791 ccm,
Hub: 62 mm, Bohrung: 66 mm, Verdichtungsverhältnis: 1:5,6, Schmierung: Umlauf, Vergaser: Amal, Zündung: Bosch-Batterie.
Getriebe und Antrieb: Getriebetyp:
Zündapp-Ketlengelriebe, Ueberset-
zung, 1. Gang: 1:13,6, 2. Gang: 1:8,75, 3. Gang: 1:5,25, 4. Gang: 1:4,35, Antriebsart: Kette/Kardan.
Fahrgestell: Tankinhalt: 12 Liter, Rahmen: Preßsiahl, Federung: Druck, Bremstrommeldurchmesser: 200/25
mm, Bereifungslyp: 26X3,5, Gewicht,
fahrferiig: 180 kg.
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